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Über die Angst vor Hunden – und wie man sie verliert.

Kennt ihr das: der Sonntagsbesuch kündigt sich an, und ihr verstaut alle eure liebenswerten Vierbeiner in allen erdenklichen Räumen des Hauses, denn: die Tante hat Angst vor Hunden.

Abgesehen davon, dass man seine Oma auch nicht einfach ins Badezimmer sperren würde, nur weil die Freunde, die zu Besuch kommen, Angst vor ihr haben, ist die Angst vor Hunden doch ein heikles Thema- aufgegriffen in jedem Hunde- & Haustier- Forum. Dabei sind Hunde doch eigentlich die Haustiere, mit denen man die innigste aller Verbindungen aufbauen kann (behaupte ich)…

Da ich bei uns auf dem Hof in den Frühjahr- und Sommermonaten viele Gäste habe, die sich ein paar schöne Tage am Bodensee machen möchten, ist es natürlich schon öfter vorgekommen, dass Besucher da waren, die Angst vor Hunden hatten – entweder sie hatten den Hinweis, dass sich einige Hunde im Haus befinden, überlesen, oder sich für eine kleine Annäherungs- Therapie entschlossen… denn in jedem einzelnen Fall, geschah genau das.

Kamen die Gäste an, wurden sie natürlich vorn am Tor quietschlebendig bellend von meinem bunten und fröhlichen Chihuahua Rudel begrüßt, die den Gästen zwischen den Beinen durchwuselten. Bei dieser Gelegenheit fiel mir dann auch gleich auf, wenn jemand sich mit Hunden nicht so wirklich wohl fühlte. Ich ließ die Hunde in diesem Fall dann nicht mit hinein, so dass die Gäste sich nach den anfänglichen kleinen Schock-Therapie gleich wieder erholen konnten. Beim Frühstück waren sie dann allein, und in der Küche hatte ich meist nur 1-2 meiner gemächlicheren ruhigen Chihuahua Damen liegen, die wenn es drauf ankommt höchstens ihr Köpfchen heben, wenn jemand hereinkommt, und noch das eine oder andere süße Chihuahua Baby. Und genau diese ruhigen und gemütlichen Damen in Kombination mit den niedlichen winzig kleinen Welpen, schafften es innerhalb der nächsten 2 Tage in 100% aller Fälle, dass am Ende die Gäste ( einschließlich der Hunde- Angst- Haber) auf dem Küchenboden sassen, jeder einen Hund auf dem Arm, andächtig streicheld und fasziniert dem kleinen verspielten Treiben des Welpen zusahen… wenn das nicht eine erfolgreiche Therapie ist, die uns auf die Frage, wie man die Angst vor Hunden los wird, Antworten liefern kann ;-)

Wovor genau haben Menschen Angst, wenn es um Hunde geht?

  • aggressives Verhalten: Knurren, aufgestellter Schwanz, aufgestellte Ohren, scharfer Blick
  • unberechenbares Verhalten: beißen, schnappen, zupacken, nicht loslassen
  • wildes, ungestümes Verhalten: lautes Bellen, Hochspringen
  • unangenehmes Verhalten: schnüffeln, lecken

Lasst uns mal folgende Frage stellen:

Woher kommt die Angst vor Hunden und was sind Ursachen dafür?

Menschen, die Angst haben vor Hunden, haben meist entweder selbst schlechte Erfahrungen gemacht, oder von Situationen gehört, die ihnen Angst gemacht haben, oder ihre Eltern hatten panische Angst vor Hunden, die sich auf sie übertragen hat. Unangenehme Erfahrungen mit Hunden können für ein Kind zB. schon sein: der Hund schnüffelt dem Mädchen penetrant zwischen den Beinen, der Hund leckt einen unaufhörlich, der Hund riecht unangenehm, an seinen Lefzen hängen Speichelfäden, das Herrchen versucht mit Müh und Not, ihn von einem wegzuzerren. Man muss also nicht unbedingt einmal gebissen worden sein, um eine Hundephobie entwickelt zu haben.

Eine Freundin berichtete von einem für sie traumatischen Erlebnis mit einem großen schwarzen Hund. Der Hund hatte sie und ihre Mutter, die selbst schreckliche Angst vor Hunden hatte, den ganzen Weg zum Kindergarten verfolgt. Sie hatten mehrmals die Straßenseite gewechselt, und der Hund, der ohne sein Herrchen unterwegs war, hatte es ihnen gleich getan. Er war ihnen bis zur Kindergartentür nachgegangen. Die Mutter und das Mädchen waren heilfroh und ihr Herz klopfte ihnen bis zum Hals, als sie endlich Zuflucht gefunden hatten und die Kindergartentür hinter sich schließen konnten. Die Mutter blieb erst noch ein paar Minuten dort, in der Hoffnung, der Hund sei auf dem nach Hause Weg nicht mehr da.

Eine häufige Antwort auf die Frage nach der Angst vor dem Hund klingt meist so oder so ähnlich:

„Beim Zeitungen Austragen hatte ich an einem bestimmten Haus immer besonders Angst. Am Zaun hing ein Schild mit „Vorsicht bissiger Hund“. Der Hund bellte lautstark los, wenn ich mich dem Grundstück näherte. Ich hatte jedes Mal Angst um meinen Arm, wenn ich die Zeitung in Zeitungsrolle steckte….“

„Ich war einmal bei der Freundin meiner Mutter zu Besuch, und ihr Dackel hat mich in die Hand gebissen.“

„Meine Cousins hatten einen Hund, mit dem haben sie immer so wild gespielt. Er hat sie im Spiel in den Arm gebissen und nicht mehr losgelassen. Ich hab immer schon geweint, wenn ich wusste, dass wir sie besuchen gehen. „

„In der Zeitung stand einmal, dass ein Hund ein Nachbarskind angefallen und tödlich verletzt hatte. Seither meide ich Hunde.“

„Hund stammen ja vom Wolf ab, und Wölfe sind wilde, unberechenbare Wesen, man kann nie absolut sicher sein.“

„Wenn ich vor einem Hund stehe, habe ich das Gefühl, er merkt, dass ich Angst habe. Ich hab mal gehört, dass Hunde das riechen können. Und das macht mir noch mehr Angst.“

„Man weiss ja nie, was so ein Hund erlebt hat. Er kann jederzeit zubeißen- aus dem heiteren Himmel, und dann ist es zu spät.“

Als Hundehalter liebt man seinen Hund über alles und  neigt dann man manchmal dazu, solche Ängste nicht ganz ernst zu nehmen.

Die verliebte Antwort eines Hundehalters auf das zögerliche Verhalten eines Kindes klingt meist so:

  • „Er tut nichts. Er will nur schnuppern.“
  • „Er beißt nicht.“
  • „Er ist noch jung und ein bisschen ungestüm.“
  • „Er mag Kinder.“
  • „Er ist ein ganz lieber.“
  • „Er hat Angst vor Kindern.“
  • „Er will nur gestreichelt werden.“

Leider helfen diese Aussagen meistens nicht, die Angst vor Hunden zu überwinden.

Antworten bei Angst vor Hunden

Es gibt kein universelles Heilmittel gegen die Angst vor Hunden. Wenn Menschen Angst vor Hunden haben, sollte man dies auf jeden Fall respektieren und nicht selbst krampfhaft versuchen, den Menschen davon zu befreien. Es darf jeder selbst entscheiden, ob er sich dem Wesen „Hund“ und dieser unbeschreiblichen Verbindung, die man zu diesem Wesen aufbauen kann, öffnen möchte.

Es gibt jedoch ein paar Dinge, die Menschen den Zugang zu Hunden erleichtern können. Manche Hunde sind dafür geeigneter, andere weniger. Für Menschen, die Angst haben, empfehle ich

  • Kleinere Rassen
    Kleinere Hunderassen wirken auf Menschen, die Angst vor Hunden haben, weniger bedrohlich.
    Manche allerdings haben besonders Angst vor den winzigen, wuseligen, quietschigen Exemplaren.
  • Hellere Fell- Farben
    Dunklere Hunde wirken auf Menschen mit einer Hundephobie meist bedrohlicher als hellere.
  • Ruhige Hunde
    Statt der temperamentvollen, überschwänglichen Hunde, eignen sich für das erste Annähern ruhigere, gemächlichere Hunde, die nicht leicht aus der Fassung geraten und langsam und kontrolliert reagieren.
  • Welpen!
    Der Schlüssel zu (fast) jedem Herzen auf der Welt sind Babies! Babies sind niedlich, schutzbedürftig, fast hilflos-  und man kann ihnen einfach keine Boshaftigkeit unterstellen. Ihr tapsiges Benehmen würde man ihnen nie übel nehmen, stattdessen bringen sie einem zum Lachen, und schon ist die Anspannung dahin. Welpen sind zutraulich, kommen her und wollen Kuscheln- dieses Verhalten wird bei einem Baby nie als Bedrohung wahrgenommen. Im Gegenteil, der Mensch fühlt sich eher geehrt, dass der Hund zu ihn gekommen ist und bei ihm Schutz sucht. Der Stolz, dass der Hund einem vertraut, und das Gefühl, dass man dem Hund tatsächlich etwas zu geben hat, hilft bei den ersten Schritten, zum Wesen „Hund“ eine Verbindung aufzubauen, enorm! Da Babies so unfassbar niedlich sind, verzeiht man ihnen sogar ihre stinkenden Häufchen und die kleinen Pipis, in die man aus Versehen getreten ist.

Die perfekte Umgebung und Surroundings, seine Angst vor Hunden zu verlieren

Man braucht Zeit und Geduld, um sich an Hunde anzunähern, vor allem, wenn man Vorbehalte und Ängste hegt. Es hilft, in einer Umgebung zu sein, in der man Hunde in aller Ruhe beobachten und sie kennenlernen kann, ohne mit ihnen auf zu engstem Raum zu sein. Zuzusehen, wie jemand, der Hunde liebt, mit ihnen umgeht, wie sie ihm auf Schritt und Tritt treu folgen, wie er sie zurechtweist und sie hören, wie sie seine Grenzen nicht überschreiten, etc. ist sehr heilsam, für jemanden, der Hunde als unberechenbar und ungestüm kennt.

TIPPS gegen Angst vor Hunden bei Kindern

Wenn Kinder zu Besuch sind, die Angst vor Hunden haben, gilt es, besonders feinfühlig zu sein und die Symptome richtig zu deuten.  Man darf das Kind nicht überfordern, indem man es ständig mit dem Thema Hund konfrontiert, um ihm endlich die Angst auszutreiben. Ebenso soll die „Angst“ nicht überbewertet werden. Stattdessen sorgt man dafür, dass der Hund in einer Nähe bleibt, aus der das Kind ihn beobachten kann, aber nicht so nah, dass das Kind in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird.

Vielleicht haben die Eltern Angst vor Hunden. In dem Fall ist es von Vorteil, das Kind ohne die Eltern mitzunehmen, und das Thema Hund ohne die Anwesenheit der Eltern auf den Tisch zu bringen : „Komm mal mit, wir holen einen Eimer Futter für den Hund…“

Sind mehrere Hunde im Haus, mag es von Vorteil sein, erst einmal nur einen Hund auszuwählen, der sich für die Situation eignet:

1) man hat bemerkt, dass das Kind vom diesem Hund besonders fasziniert ist
2) der Hund ist besonders behutsam und geduldig mit Kindern.

Man kann dem Kind kleine Aufgaben geben, zB. eine Leine aussuchen für den Hundespaziergang, oder den Trinknapf auffüllen und hinstellen. Dabei muss der Hund noch nicht anwesend sein. Wichtig ist, dass man dem Kind das Gefühl gibt, dass es das gut gemacht hat, und dass es sich schon super mit Hunden auskennt. Man erzählt ihm ein paar spannende Details, die es später stolz seinen Eltern erzählen kann, zB. „Lady ist gerade schwanger- sie hat Babies im Bauch. Noch 10 mal schlafen, dann werden ihre Babies geboren!…“ oder „Weisst du, was Hunde am liebsten essen?…  – wenn du magst, darfst du Lady nachher ein Stückchen Wurst geben. Man darf Hunden nie Süßigkeiten geben, das kann sie krank machen.“

Wichtig ist, dass man das Kind nicht allein mit dem Hund lässt. Man bleibt dabei, und beobachtet, wie nah man sich bereits „vorgetastet“ hat- und hilft dabei, dass der Sicherheitsabstand, den das Kind  von selbst hält, nicht überschritten wird.

Zeit und Geduld

Selbst, wenn es bei diesem Besuch noch nicht zu einer sichtlichen Annäherung gekommen ist, sollte man nicht aufgeben. Der Beziehungsaufbau braucht Zeit und viel Geduld- regelmäßige Besuche helfen sicher dabei. Sie werden merken, dass sich Kinder an die Anwesenheit eines Hundes gewöhnen werden und nicht mehr bei jeder Bewegung des Hundes zusammenschrecken. Zwischen den Besuchen kann man immer mal wieder ein süßes Bild von dem Hund schicken, wo er schläft oder lustig schaut, und dann dazuschreiben: „Lady freut sich schon, wenn du wieder kommst“, oder „schau mal, was Lady heute gemacht hat…“ So hat das Kind seinen Freunden in der Schule eine coole Story zu erzählen und identifiziert sich schon ein bisschen mehr mit dem Hund. Es fühlt sich dann schon fast an wie eine Freundin…

 

In den vielen Jahren, in denen ich als Hundehalterin nun schon Erwachsene und Kinder bei mir im Haus begrüßen durfte, die zunächst Vorbehalte gegen Hunde hatten, ist es mir noch nie vorgekommen, dass nach ausreichend Zeit und zunehmenden Berührungspunkten nicht doch Stück für Stück die Angst abgebaut wurde.  Die eine oder andere Familie hat am Ende sogar einen meiner kleinen Freunde bei sich aufgenommen und würden heute nie wieder die Anwesenheit eines Hundes in ihrem Leben missen wollen! Sie haben sich regelrecht verliebt und können sich heute nur noch schwer vorstellen, dass sie einmal so viel Angst vor Hunden hatten.

Eins der besten Beispiele dafür sind meine Freundin, ihr Mann und ihre Kinder. Als ich sie kennenlernte, hätte sie sich selbst nie im Leben als Tierfreundin bezeichnet. Sie und ihre Tochter hatten schreckliche Angst vor Hunden. War ein Hund in der Nähe, musste das Geschäft verlassen, oder mitten auf der Strasse ein großer Bogen um ihn gelaufen werden. Der Mann und der Sohn konnten ebenfalls nichts mit Hunden anfangen, wussten nicht wie sie halten oder streicheln und stellten sich dabei etwas unbeholfen an.

Ich wusste davon nichts, als sie mich das erste Mal besuchten. Ich behielt Lady, meine wunderschöne würdevolle Labrador Hündin und ein paar Chihuahuas bei uns in der Küche. Ich ignorierte die momentane Anspannung was das Thema Hund anging, und so taten Lady und die Chihuahuas ebenfalls. Sie lagen einfach entspannt da und ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: nach dem dritten Besuch wollte die Tochter im Labrador Funkpark bei Aiden und den damaligen Welpen Luna und Lisa einziehen und weinte bitterlich, als sie nach Hause fahren mussten.

Meine Freundin war inzwischen mehrmals Geburtshelferin bei unseren Würfen, ihr Sohn liegt regelmäßig begraben unter einem Haufen quirliger Labradorwelpen und fühlt sich pudelwohl, und der Vater lässt keine Gelegenheit aus, einen Gefährten mit auf Tour zu nehmen und dann mit ihm Selfies zu posten. Die Tochter beobachtet mit ihrem scharfen Blick jedes Detail im Rudel genau – wenn jemand gemobbed wird oder zugenommen hat, verschüchtert wirkt oder im Rudel eine höhere Position erklommen hat- ihr fällt jedes Detail auf… sie hat sich inzwischen zur feinfühligen Hundekennerin entwickelt.

Keiner aus der Familie würde heute noch zugeben, mit welchem Respekt und welcher Anspannung sie damals bei mir in der Küche saßen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es generell empfehlenswert ist, seine Angst vor Hunden zu verlieren. Man beraubt sich sonst dessen, womit ein Hund einem das Leben bereichern kann- Hunde haben dem Menschen sehr viel zu geben. Darüber haben wir hier zB. schon einmal berichtet.

Vorsicht bei einem fremden Hund ist selbstverständlich trotzdem geboten, man muss sich nicht gleich jedem Hund an den Hals werfen. Am besten geschützt vor Übergriffen eines Hundes ist man, wenn man die Sprache des Hundes verstehen und deuten kann, und selbst lernt, durch seine Körperhaltung und Ausdruck dem Hund unmissverständlich zu erklären geben kann, wer der Boss ist. Über diese Themen wollen wir hier auf dem Blog aufklären.

Nun bleibt mir, euch und euren Fellnasen einen herrlichen Sonntag zu wünschen!
Es grüßt Euch herzlich
Gabi ❤

 

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